Auslandsschule

Wir ziehen viel durch die Weltgeschichte.  Das hat viele Vorteile, auch für die Kinder, und einige gravierende Nachteile.  Besonders fällt uns das in Bezug auf die Schule auf - vielleicht auch nur deshalb, weil wir zwischendurch immer wieder nach Deutschland zurückgehen und dadurch ständig zwischen dem deutschen und amerikanischen bzw. internationalen Schulsystem hin- und herspringen.  In den letzten vier Jahren hatten meine großen Kinder vier Schulwechsel hinter sich und der fünfte stand bevor. 

Wir hatten die großen Buben schon einmal für das Fach Deutsch in der Deutschen Fernschule eingeschrieben, also zusätzlich zum Unterricht in der Schule.  Das war sehr schwierig - warum in der Freizeit auch noch Schule machen? Außerdem kamen dann die Aktivitäten am Nachmittag zu kurz, und wann immer Freunde zum Spielen da waren, fiel der Unterricht ganz aus.  Wir versuchten es dann am Samstag, aber wir unternehmen viel am Wochenende und so klappte das auch nicht so richtig.  Ehrlich gesagt, fanden wir den Unterricht (wohlgemerkt nur in Deutsch) auch nicht soooo gut.  Die Betreuung durch die DFS ist aber super, die Leute sind sehr, sehr nett und es ist nicht ihre Schuld, dass wir den religiösen Touch als unpassend empfanden.  Die Schule ist für Kinder vom Kindergarten bis zur 5. Klasse einschließlich vom Auswärtigen Amt zugelassen.

Allerdings sind unsere Großen schon in der sechsten und siebten Klasse. Dafür gibt es dann die Fernschule vom ILS, das sogenannte Fernlehrwerk.  Seit den achtziger Jahren sind die für die deutschen Kinder im Ausland der Ansprechpartner, und zwar überall in der Welt, von Griechenland und Frankreich über Paraguay nach Turkmenistan.  Es sind Kinder von Missionaren genauso wie Kinder von Weltumseglern, die in dem dreigliedrigen System Hauptschule, Realschule und G8 unterrichtet werden.

Die Anmeldung (Download) ist schnell gemacht, und trotz Warnung über Vorlaufzeiten von sechs Wochen kamen unsere Materialkisten bereits nach drei Wochen an.  Man sollte sich aber darauf nicht verlassen; das ILS ist ein riesiges Unternehmen der Klett-Gruppe und hat ca. 80.000 Studenten in über 200 Studiengängen.  Da sind sechs Wochen Vorlaufzeit gar nicht so viel. Die Damen im Sekretariat sind sehr nett und helfen einem sofort weiter, wenn man eine Frage hat (auch wenn man eine dumme Frage stellt, die im Handbuch eigentlich beantwortet ist!).

Die Schulgebühren sind natürlich happig, aber verglichen mit internationalen Schulen eigentlich ein Klacks.  Ein Schuljahr kostet, je nach Klassenstufe, zwischen 2.000 und 2.800 Euro.  Für das 2. Kind bekommt man einen Rabatt von 50%, für das dritte 60%, und das vierte ist ganz umsonst, so fern man das Schulgeld nicht von einer Firma oder einer Organisation ersetzt bekommt.  Das finde ich sehr fair.

Die Schulunterlagen kommen in einer riesigen Kiste ins Haus - vom Arbeitsheft über die Schulbücher und die Chemielaborausrüstung bis hin zum Malkasten ist alles dabei.   Die Kinder lernen mit den sogenannten Unterrichtsheften, dem "Lehrer zum Mitnehmen".  In diesen Heften werden die Kinder direkt angesprochen, und sollten somit relativ selbständig lernen können. (Dazu später mehr.)  Die Unterrichtseinheiten sind eingeteilt in Stunden, und man bekommt im Elternhandbuch einige Stundenplanvorschläge, die man schlauerweise nutzen sollte.  Mit Stundenplan lernt es sich verlässlicher.

  Das Chemie- und das Physiklabor

Das Chemie- und das Physiklabor

  Zweites Unterrichtsheft Deutsch, 7. Klasse

Zweites Unterrichtsheft Deutsch, 7. Klasse

Uns ist aufgefallen, das die Unterrichtseinheiten unterschiedlich dicht gestaltet sind.  Religion ist sehr schnell abgearbeitet, Französisch ist dagegen sehr viel Arbeit (im Handbuch wird darauf verwiesen, dass es sich hier eigentlich um Doppelstunden handelt).  Musik finden wir auch ganz schön happig - nix da mit ein bisschen Singen zu Hause.  Ein Keyboard muss man besitzen, und die Musiktheorie hat es in sich.  Über das Jahr verteilt werden sage und schreibe 61 Arbeiten eingesandt - mündliche, schriftliche, Musikaufnahmen und Bilder aus dem Kunstunterricht.  Es gibt allein 10 Deutschtests.  Wer denkt, dass das Fernlehrwerk der einfache Weg zum deutschen Schulabschluss ist, täuscht sich.  Der Unterricht ist wirklich anspruchsvoll.

Die Schulaufgaben werden als Brief, Emails oder Upload über die Fernlehrwerk-Webseite beim ILS eingereicht und dort von Lehrern korrigiert und benotet.  Diese Lehrer kann man bei Bedarf auch anschreiben und ihnen Fragen stellen.  Die korrigierten Arbeiten werden dann per Brief oder Email zurückgeschickt, mit Anmerkungen und Vorschlägen.  Mit der ersten korrigierten Arbeit stellen sich die Lehrer auch kurz vor, so hat man einen persönlichen Bezug.  Die Noten werden auf der passwortgeschützten Seite publiziert, so hat man immer einen Überblick über den Notenstand und die vielen Arbeiten, die noch ausstehen.

Sobald 80% der Arbeiten eingesandt sind, kann man sich das neue Schuljahr bestellen.  Insgesamt hat man 2 Jahre Zeit, um ein Schuljahr zu bearbeiten, aber eigentlich sollte man es in einem (Schul-)Jahr schaffen.  Allerdings ist es gut zu wissen, dass man diese Zeit hat, wenn die Kinder mal krank werden oder andere Notfälle eintreten.  Das Tempo bestimmt man also weitestgehend selbst.

Das wäre es erst einmal.  Im nächsten Artikel erzähle ich, wie der Unterricht bei uns funktioniert, und welche Tricks und TIpps wir für andere Fernschüler haben.